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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.
Vortrag am 21. Februar 2018 im Institut Dr. Flad

Die Nobelpreise

Einige historische und zeitkritische Anmerkungen

Prof. Dr. Max Herberhold

Mit Prof. Dr. Max Herberhold von der Universität Bayreuth erlebte die Reihe der hochkarätigen Gastdozenten am Institut Dr. Flad einen weiteren Höhepunkt.

In seiner Begrüßung wies Schulleiter Wolfgang Flad auf die langjährigen wissenschaftlichen und persönlichen Beziehungen des Referenten zum Institut hin. Neben dem Referenten und dessen Frau hieß Wolfgang Flad auch eine Reihe von Dozenten der ehemaligen TH Stuttgart (heute Universität) willkommen.

Die Nobelpreise - Einige historische und zeitkritische Anmerkungen

Prof. Herberhold wurde 1936 in Münster in Westfalen geboren, wuchs dann aber im schwäbischen Sigmaringen auf. Von 1955 bis 1958 studierte er an der TH Stuttgart Chemie. Nach der Promotion 1963 an der Universität München (beim Nobelpreisträger E. O. Fischer) folgte 1965/66 ein Forschungsaufenthalt am Caltech in Pasadena, Kalifornien. Er habilitierte sich 1970 an der TU München und erhielt schließlich 1978 einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Anorganische Chemie an der Universität Bayreuth, wo er bis zu seiner Emeritierung 2002 tätig war. Seine Schüler und Doktoranden sind heute als Lehrende in der ganzen Welt verstreut. Prof. Herberhold ist der Autor von über 400 Publikationen; neben Forschung und Lehre war ihm aber auch die Beschäftigung mit dem Chemieunterricht ein Herzensanliegen. Folgerichtig war er als Nachfolger von Prof. Herbert Roesky von 1986-1991 Vorsitzender der Fachgruppe Chemieunterricht in der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Wolfgang Flad erinnerte in seiner Begrüßung an seine erste Begegnung mit Prof. Herberhold im Jahr 1986. Damals überreichte dieser in Mainz als Vorsitzender der erwähnten Fachgruppe Chemieunterricht den Heinrich-Roessler-Preis an Dr. Manfred und Wolfgang Flad. - Seit 1990 gehörte Prof. Herberhold neben Prof. Roesky dem wissenschaftlichen Beirat des Instituts Dr. Flad an, weil es für das Institut, so Wolfgang Flad, wichtig sei, Beratung von Außenstehenden zu erhalten. Wenn dieser Rat von Außenstehenden erfolge, die dem Institut auch persönlich nahe stehen, so sei deren Rat doppelt willkommen.

Das Leben des Preisstifters Alfred Nobel

größer In seinem Vortrag ging Prof. Herberhold zunächst auf die Vita des Stifters der Nobelpreise ein.

Alfred Nobel wurde 1833 in Stockholm geboren. Sein Vater besaß eine Gummifabrik. Als diese in die Insolvenz ging, floh der Vater nach St. Petersburg, um den Zahlungsverpflichtungen zu entgehen. Die Familie holte er erst 1842 nach, als es finanziell wieder besser ging. Die Kinder erhielten dort Privatunterricht in den Naturwissenschaften, Literatur und verschiedenen Sprachen. Weil sich der Sohn Alfred nach dem Geschmack des Vaters zu sehr für Literatur und das Schreiben von Gedichten interessierte, schickte ihn der Vater auf Reisen. Auf einer dieser Reise arbeitete er eine Zeit lang als Laborgehilfe in Paris, wo er Ascanio Sobrero, einen italienischen Arzt, kennenlernte, der 1847 erstmals Nitroglycerin dargestellt hatte. Nitroglycerin ist noch heute in der Medizin eine interessante Substanz, die als Herzmedikament verwendet wird, weil sie gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Eigenschaften hat.

1853 ging Alfred Nobel wieder nach St. Petersburg zurück, wo sein Vater durch den Krimkrieg sehr viel Geld verdient hatte. Nachdem Russland den Krieg verloren hatte, ging die Rüstungsfabrik pleite und die Familie zog wieder nach Schweden. Dort arbeiteten Vater und Sohn auf dem Gebiet der Sprengstoffchemie. Seit 1862 konnten sie Nitroglycerin selbst herstellen. Alfred Nobel wollte es als Sprengstoff in die Technik einführen. Er erhielt 1863 seine ersten Patente, auf "Sprengöl" und dann auf die "Initialzündung", so dass er Nitroglycerin sauber sprengen konnte. Es kam allerdings immer wieder – auch weltweit - zu schweren Explosionsunglücken. So flog 1864 die Stockholmer Nitroglycerin-Fabrik in Helenenborg in die Luft, - unter den 5 Toten war Alfred Nobels jüngerer Bruder Emil Oskar. Daraufhin verbot die schwedische Regierung weitere Versuche, und Alfred Nobel musste aufs Land oder auf schwimmende Labors ausweichen.

größer Seine erste Sprengstoff-Fabrik außerhalb Schwedens gründete Alfred Nobel in Krümmel in der Nähe von Hamburg. Dort gelang ihm 1867 die Herstellung von Dynamit, in dem das Nitroglycerin in Kieselgur aufgesaugt wurde. Mit dieser weltweit patentierten Erfindung erwarb er ein großes Vermögen. Er forschte aber weiter und entwickelte weitere Sprengstoffe, (1875) die Sprenggelatine (gelatiniertes Dynamit) und (1884) das Ballistit, ein rauchschwaches Pulver, bestehend aus Nitrozellulose und Nitroglycerin.

Als Nobel 1896 in San Remo starb, betrug sein Vermögen mehr als 33 Millionen schwedische Kronen. Er besaß Laboratorien in 20 Ländern, er hatte 90 Fabriken bzw. Laboratorien gegründet und war Inhaber von 355 Patenten. Einen direkten Erben gab es nicht: Alfred Nobel hatte keine eigene Familie, und er hatte alle seine 3 Brüder überlebt. Er hoffte, mit seinen Erfindungen Frieden zu schaffen. Gegenüber Bertha von Suttner, eine der ersten Trägerinnen (1905) des Friedensnobelpreises, äußerte er die Hoffnung, dass wenn sich zwei gleich starke Armeen gegenseitig in einer Sekunde vernichten könnten, alle zivilisierten Nationen vor Krieg zurückschreckten und ihre Truppen auflösten.

Das überraschende Testament Nobels

In seinem Testament von 1895 enterbte Alfred Nobel weitgehend die Familie, für die er nur 1,5 Millionen Kronen, u.a. auch Legate für ehemalige Hausangestellte vorgesehen hatte. Die restlichen 31,5 Millionen sollten in eine Stiftung fließen. Aus den Zinsen dieses Kapitalstocks sollten Preise an diejenigen verteilt werden, die der Menschheit im vergangenen Jahr den größten Nutzen gebracht hätten. Nobel legte 5 Gebiete fest, aus denen die Preisträger kommen sollten: Physik, Chemie, Physiologie/Medizin, Literatur und an diejenigen, die "am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder Förderung von Friedenskongressen hingewirkt haben".

größer Wieso ausgerechnet diese Bereiche mit Preisen bedacht wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Insbesondere Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler fühlten sich vernachlässigt. Möglicherweise hatte Nobel keinen Sinn für Mathematik, die er als Chemiker bestenfalls als Hilfswissenschaft betrachtete. Über seine Vernachlässigung der Wirtschaftswissenschaften gibt es eine Äußerung in einem Brief, die sie möglicherweise erklärt. "Ich habe keine Wirtschafts-Ausbildung und hasse sie von Herzen".

Die vernachlässigten Mathematiker behalfen sich mit der Stiftung einer eigenen Auszeichnung, der goldenen Fields-Medaille, sie seit 1936 alle 4 Jahre verliehen wird, allerdings finanziell deutlich niedriger dotiert ist als der Nobelpreis und eine Altersgrenze unter 40 Jahren voraussetzt. Für die Wirtschaftswissenschaften wird seit 1969 ein zusätzlicher Nobelpreis verliehen, der von der Schwedischen Reichsbank (anlässlich ihres 300jährigen Bestehens) gestiftet wurde.

Die Statuten für die Preisvergabe wurden 1900 vom schwedischen Staatsrat genehmigt. Die höchste Instanz für die Preisverleihung in jedem Gebiet ist das Kuratorium, ein fünfköpfiges Komitee, dem nur Skandinavier angehören. Für die Nobelpreise sind auch die ehemaligen Preisträger vorschlagsberechtigt, allerdings können die Komitees externe Fachleute zuziehen. Nur für den Friedensnobelpreis, der von einem norwegischen Komitee verliehen wird, gibt es sehr zahlreiche Vorschlagsberechtigte. Eine Selbstbewerbung ist nicht vorgesehen.

Der Preis

Das Stiftungsvermögen betrug 1999 3,94 Milliarden schwedische Kronen. Die Zinserträge gehen zu etwa 40 % an die Preisträger, der Rest wird für die Kosten der Institution und die Kosten der Auswahl, für die Nobelwoche in Stockholm und in Oslo, verwendet.

Die Preisgelder sind in den letzten Jahren aufgrund der Zinsentwicklung geringer geworden. Sie betragen gegenwärtig rund 9 Millionen schwedische Kronen, was rund 940 000 Euro entspricht. Es kann bis zu 3 Preisträger in den verschiedenen Fachgebieten geben. Attraktiv ist das Preisgeld besonders in Ländern, in denen es der Laureat steuerfrei vereinnahmen kann. Das ist z.B. in Deutschland der Fall, während es in den USA versteuert werden muss.

Zur Statistik der Nobelpreise und Preisträger

größer Die einzelnen Fachgebiete weisen unterschiedliche Zahlen an Preisträgern auf. Es gab häufig mehrere Kandidaten und in der Folge Teilungen der Preise. Der Nobelpreis für Physik wurde in den Jahren seit 1901 111mal verliehen. (In manchen Jahren wurde kriegsbedingt kein Preis vergeben.) 206 Physiker wurden in diesem Zeitraum ausgezeichnet, darunter 2 Frauen, was einem Anteil von 0,97 % entspricht. In Chemie gab es in 109 Verleihungsjahren 177 Preisträger, darunter 4 Frauen. Der Frauenanteil lag in der Medizin höher, von 214 Preisträgern waren es immerhin 12. Den Nobelpreis für Literatur erhielten 114 Preisträger, davon waren 14 Frauen. Der Friedensnobelpreis ging an 105 Preisträger, darunter 16 Frauen und 24 Organisationen, z.B. das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (3 mal). Den seit 1969 verliehenen Preis für Wirtschaftswissenschaften erhielten bisher 77 Personen – darunter eine Frau. Die überwiegende Anzahl der Preisträger stammt aus den USA. Böswillige Zungen führen das auf die konsequente Lobbyarbeit der Amerikaner und die entsprechenden Netzwerke zurück.

Umstrittene Vergabe-Entscheidungen

Wie nicht anders zu erwarten, gab es bei einer solch hochrangigen Auszeichnungen von Anfang an Kritik.

Da die Unterlagen für die Preisverleihungen laut Satzung 50 Jahre unter Verschluss liegen müssen, lassen sich die Gründe für manche Entscheidungen nicht nachvollziehen. Das betrifft insbesondere die nicht-naturwissenschaftlichen Preisträger. In neuster Zeit ist z.B. die Preisverleihung für Literatur an Bob Dylan (für seine "Songlyrik") auf massive Kritik gestoßen. Aber auch schon die erste Verleihung des Literaturpreises an einen heute vergessenen französischen Lyriker wurde massiv kritisiert, weil viele den russischen Dichter Leo Tolstoj als Preisträger vorgezogen hätten. Die Akademie berief sich allerdings zur Begründung für die Nicht-Wahl Tolstojs darauf, dass niemand ihn vorgeschlagen hätte.

Bei den Friedensnobelpreisen ist eine deutliche Politisierung zu beobachten. Im Abstand von einigen Jahren sind manche Preisverleihungen nicht mehr recht verständlich. So ist auch die Verleihung des Friedens-Nobelpreises 2009 an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama kritisiert worden, weil er den Preis bereits im Jahr seines Amtsantritts erhalten hat, ohne dass bis dahin größere außenpolitischen Leistungen erbracht worden wären.

Aber auch an den Preisen in den Naturwissenschaften gab es Kritik. So entstand schon um die Verleihung des ersten Nobelpreises für Physik an Wilhelm Conrad Röntgen (1901) eine langanhaltende Feindschaft mit Philipp Lenard. Diese Feindschaft hielt auch an, nachdem Lenard 1905 seinerseits den Nobelpreis verliehen bekommen hatte.

Ein weiteres Beispiel für umstrittene Entscheidungen ist die Verleihung des Chemie-Nobelpreises 1918 an Fritz Haber für seine Synthese von Ammoniak aus den Elementen. Haber war von vielen wegen seiner Initiativen zum Einsatz von Kampfgasen im 1. Weltkrieg als ungeeignet angesehen worden. - Ebenfalls stark kritisiert wurde die Verleihung an Otto Hahn (1944) für die Kernspaltung von schweren Atomen, weil seine entscheidende Mitarbeiterin Lise Meitner übergangen worden war.

In der Gegenwart ist in der Presse die Verleihung des Wirtschafts-Nobelpreises 2017 für den Verhaltensökonomen Richard H. Thaler aus den USA ein größeres Thema.

Die Übergangenen

Weshalb manche renommierten Forscher und Persönlichkeiten den Preis nicht bekommen haben, bleibt ein Rätsel. Die Nichtverleihung des Friedensnobelpreises an Mahatma Ghandi wurde heftig kritisiert. Er war 2 Tage vor dem Nominierungsschluss ermordet worden. Eine posthume Ehrung, die damals noch möglich gewesen wäre, zog das Komitee nicht in Erwägung und verlieh 1948 gar keinen Preis.

In der Liste der Preisträger fehlen etwa neben dem bereits erwähnten Leo Tolstoj auch Forscher wie der Münchner Atomphysiker Arnold Sommerfeld (1868-1951), der der Lehrer einer großen Zahl von späteren Preisträgern war, die Münchner Walter Gerlach und der Vater der Carbonylchemie Walter Hieber (- ein geborener Stuttgarter -), und auch der Stuttgarter Physikochemiker Theodor Förster. Besonders auffällig ist, dass auch Carl Djerassi, Erfinder der Pille, der über 1200 Publikationen verfasste und fast 30 Ehrendoktortitel erhielt – den Nobelpreis nicht erhalten hat.

Neben der Kritik an einzelnen Preisträgern sind auch generelle Themen immer wieder Gegenstand von Diskussionen. So ist etwa der geringe Anteil an muslimischen Preisträgern gegenwärtig ein Thema.

Ob allerdings eine Quotierung nach Religionszugehörigkeit eine Lösung darstellt, scheint doch eher fragwürdig. Der verhältnismäßig große Anteil jüdischer Forscher unter den Laureaten lässt sich u.a. dadurch erklären, dass das jüdische Bürgertum im Kaiserreich für höhere Bildung sehr aufgeschlossen war.

Ein weiteres Problem ist, dass große wissenschaftliche Leistungen oft erst spät als solche erkannt werden. So kommt es vor, dass Preisträger gar nicht mehr auf dem Gebiet ihrer Auszeichnung arbeiten oder zum Zeitpunkt der Auszeichnung bereits im Ruhestand sind. Ein Beispiel mag hier Werner Forßmann, Preisträger 1956 für Medizin für seine kardiologischen Forschungen sein, der zum Zeitpunkt der Auszeichnung in einer gewöhnlichen urologischen Praxis arbeitete und es aller möglichen politischen Verrenkungen bedurfte, um ihm einen Posten zu verschaffen, der dem Ansehen eines Nobelpreisträgers entsprach.

Ernsthafte und satirische Alternativen

Die Kritik an den Preisverleihungen und den Preisträgern führte zu neuen Entwicklungen. So schlug Jakob von Uexküll vor, zusätzliche Nobelpreise für die Bedürfnisse der 3. Welt zu schaffen, zum Beispiel sollte es einen Preis für Ökologie und einen für die Überwindung der Armut geben.

Es kam dann 1980 zur Gründung der "Right Livelihood-Award Foundation", die Preise an Personen verleihen sollte, die sich für menschenwürdige Lebensweisen einsetzten. Gemeint waren damit Verdienste in den Bereichen Umwelt, Energie, Ressourcenschonung, Friedenssicherung, Abrüstung, Menschenrechte, Schutz indigener Völker, Bildung, Gesundheit usw.

Es gab bisher 34 Verleihungen dieses Preises, u.a. 1982 an Petra Kelly, 1994 an Astrid Lindgren, 2001 an Leonardo Boff und 2014 an Edward Snowden.

Auch satirisch wurde der Nobelpreis aufs Korn genommen. Seit 1991 gibt es den sogenannten Ig-Nobelpreis (ignoble = unehrenhaft, schändlich), der auch als "Anti-Nobelpreis" bekannt geworden ist. Es werden 10 Preise pro Jahr verliehen. Dabei sollen skurrile Arbeiten ausgezeichnet werden, die Menschen zuerst zum Lachen, dann aber zum Nachdenken bringen. Bedingung für die Nominierung ist, dass die Entdeckung nicht wiederholt werden kann oder nicht wiederholt werden sollte.

1993 erhielt ein Autorenkollektiv von 976 Autoren diesen Preis für eine medizinische Forschungsarbeit, die hundertmal mehr Autoren als Seiten hatte. 2000 gab es den Physikpreis für ein Experiment mit einem frei schwebenden Frosch in einem extrem starken Magnetfeld. Der Chemiepreis 2016 ging an den VW-Konzern für seine elektromechanischen Abgas-Manipulationen.

Die Goldmedaillen

Zum Abschluss seines Vortrages sprach Prof. Herberhold noch über den Preis selbst. Er besteht aus dem Preisgeld, einer Urkunde und einer goldenen Medaille. Einige dieser Medaillen sind in der Zwischenzeit in Museen zu bestaunen, andere sind in Auktionen versteigert worden und haben einen hohen Preis erzielt, kein Wunder bei einem Goldgehalt von (ehemals) 330 Gramm. Im Dezember 2014 erzielte die Medaille von James Watson (Nobelpreis 1962 für die DNA-Doppelhelix) einen Rekord-Erlös von 4,7 Millionen $.

Aber auch die Medaillen wurden von Gefahren der Zeit nicht verschont. Die Goldmedaillen von Max von Laue (Nobelpreis Physik 1914) und James Franck (Nobelpreis Physik 1925) wurden 1940 im Labor von Niels Bohr in Kopenhagen in Königswasser aufgelöst, weil sie den Nazis nicht in die Hände fallen sollten. Tröstlich ist hier allerdings, dass Bohr den Gold-haltigen Rückstand nach dem Krieg nach Stockholm schickte, wo die Nobel-Stiftung neue Medaillen für die beiden Laureaten anfertigen ließ.

Am Ende seines spannenden Vortrags legte der Referent Wert auf die Feststellung, dass auch Nobelpreisträger normale Menschen seien. Sie seien Experten auf ihren jeweiligen Fachgebieten, aber wenn sie sich außerhalb ihrer Fachgebiete äußerten, so seien diese Äußerungen, auch wenn sie vom Glanz des Nobelpreisträgers überstrahlt würden, nicht qualitätvoller als die nicht ausgezeichneter Normalbürger.

 

Dr. Siegfried Kümmerle

 

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