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Institut Dr. Flad
Berufskolleg für Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Umwelt

Ausbildung mit Markenzeichen. Seit 1951.

Phasentransferkatalysatoren und andere Grenzüberschreitungen

 

größer Theaterprojekt zum Thema "Grenzüberschreitung"

Das Theaterstück wurde von 16 Schülerinnen und Schülern des Instituts Dr. Flad entwickelt. Leitung des Projekts und Inszenierung des Stücks: Andreas Frey und Norbert Eilts (Dein Theater, Stuttgart).

Am 10. April 2019 fand im Theaterhaus in Stuttgart die Uraufführung des Theaterstückes statt.
» Bilder und » Bericht von der Uraufführung

 

Grenzüberschreitung

Was sind Grenzen? Dies ist eine einfache Frage, die schwer zu beantworten ist. Grenzen können geographische Räume begrenzen. Dazu gehören politische oder administrative Grenzen, wirtschaftliche Grenzen, Zollgrenzen oder Grenzen von Eigentum. Räume können auch unscharf begrenzt sein, etwa Landschaften, Kulturen oder Verbreitungsgebiete. Auch unsere Rechte sind begrenzt. Im Art. 2 Abs. 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland steht: "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt". Das Gewissen kann dem eigenen Tun und Lassen ebenfalls Grenzen setzen. Es gibt soziale, sprachliche und ethnische Grenzen innerhalb von Gesellschaften. Außerdem die Grenze zwischen Leben und Tod, Mensch und Tier und Grenzen zwischen verschiedenen Religionen.

Auch in der Chemie finden wir das Thema Grenze und Grenzüberschreitung. Zum Beispiel bei der Trennung zwischen anorganischer und organischer Chemie, bei Aggregatzustandsveränderung und der Mikroskopie. In der Wissenschaft werden immer wieder Grenzen überschritten. Der Nobelpreisträger Fritz Haber entwickelte zusammen mit Carl Bosch das Haber-Bosch-Verfahren zur Ammoniaksynthese. Dies ermöglichte die Massenproduktion von Stickstoffdünger, was heute die Ernährung eines großen Teils der Weltbevölkerung sichert. Habers Versuche mit Phosgen und Chlorgas kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs machten ihn jedoch auch zum "Vater des Gaskriegs". Unter seiner Leitung wurde erstmals Giftgas als Massenvernichtungswaffe eingesetzt.

Monika Grgić

  

Bilder und Bericht zur Uraufführung am 10. April 2019

Phasentransferkatalysatoren und andere Grenzüberschreitungen
Schülerinnen und Schüler des Instituts Dr. Flad präsentieren das Ergebnis ihrer Projektarbeit in einem Theaterspiel

größer Über sieben Monate hatten Schüler des Lehrgangs 67 eifrig für die Uraufführung ihres Stückes geprobt. Unter der Leitung von Andreas Frey und Norbert Eilts vom "Dein Theater" wurden Ideen zum Thema Grenzüberschreitung entwickelt und umgesetzt.

Bereits zum 16. Mal präsentierten Schülerinnen und Schüler des Instituts Dr. Flad die Ergebnisse ihrer Projektarbeit im Stuttgarter Theaterhaus. Unter der bewährten Anleitung der Theaterpädagogen Andreas Frey und Norbert Eilts vom Dein Theater in Stuttgart hatten die Schülerinnen und Schüler eine Reihe von Theaterszenen zum Thema Grenzüberschreitungen erarbeitet.

Dabei ging es nicht in erster Linie um Grenzüberschreitungen im Bereich der Chemie, sondern um individuelle und allgemeine Erfahrungen mit Grenzüberschreitungen. Die 16 Schülerinnen und Schüler wiesen daneben als zukünftige Chemiker trotzdem auf eine Reihe von Grenzüberschreitungen in der Chemie hin. Allerdings konnten diese Grenzüberschreitungen, z.B. Adsorption, Osmose, Komplexbildung, der Übergang von sauer zu basisch usw. auf der Bühne im Rahmen einer Theateraufführung nicht gezeigt werden.

Bereits im Programmheft wurden in den Ausführungen von Monika Grgić die Schwierigkeiten der Bestimmung des Grenzbegriffs deutlich, weil es Grenzen und damit auch Überschreitungen von Grenzen etwa im politischen, wirtschaftlichen oder administrativen Bereich gibt. Aber Grenzen - so die Autorin - gibt es nicht nur in den oben erwähnten Bereichen, sondern z.B. auch im persönlichen Bereich, wo einem das Gewissen die Grenzen des eigenen Handelns aufzeigt.

Auch die Wissenschaft überschreitet immer wieder Grenzen. So zum Beispiel bei der Entwicklung des für die Ernährung der heutigen Weltbevölkerung unverzichtbaren Haber-Bosch-Verfahrens zur Ammoniaksynthese - als Grenzüberschreitung mit allerdings negativen Konsequenzen mögen Habers Versuche zur Entwicklung von Phosgen gelten, die zum Gaskrieg im 1. Weltkrieg mit unzähligen Opfern führte.

Mit so gravierenden Grenzüberschreitungen hatte es die Schülerinnen und Schüler glücklicherweise nicht zu tun. Trotzdem wurde im Rahmen der Aufführung deutlich, dass der, der Grenzen überschreitet, vor allem Erfahrungen mit sich selbst macht, weil sich der eigene Horizont wandelt. Grenzüberschreitungen und damit mögliche neue Erfahrungen - positive und negative - ermöglichen die Änderung alter Erfahrungstatbestände und die Öffnung für neue Erfahrungen.

größer Einen ersten Höhepunkt der Aufführung gab es bei der Selbstvorstellung der Projektteilnehmer. Sie stellten sich jeweils mit ihrem Geburtsjahr, dem Geburtsort, bedeutenden Ereignissen aus ihrem Geburtsjahr und persönlichen Grenzüberschreitungen sowie ihre Beispiele für chemische Grenzüberschreitungen vor. Die Spanne der Geburtsjahre reichte von 1990 bis 2002, bei den Geburtsorten von Ulan Bator in der Mongolei bis nach in Leer in Ostfriesland. Interessant dabei war, dass der größte Teil der jungen Schauspieler aus dem mittleren Neckarraum stammt. Aber auch bei Geburtsorten wie Öhringen, Bad Friedrichshall oder Leonberg mussten Grenzen überschritten werden, um den Weg ins Institut Dr. Flad zu gehen. Grenzüberschreitungen wurden von den Schülerinnen und Schülern auch beschrieben, wo es um ihre Erfahrungen bei Reisen, Auslandsaufenthalten oder Gesundheitsproblemen ging. Beeindruckende Beispiele waren hier auch die Berichte über die Betroffenheit bei der Nachricht vom Tod von Kurt Cobain oder über die Grenzüberschreitung beim Free Bungee-Jumping. So wurde die Vorstellungsrunde ein faszinierender und Betroffenheit erzeugender Einstieg in das Thema.

In den folgenden 20 Szenen wechselte es zwischen lustigen und nachdenklichen Szenen. Schon der Schüler, der bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, zeigte, wie man dort an seine Grenzen stößt, die man aber überwinden muss. Amüsant dagegen war die Darstellung der Grenzüberschreitung bei der Kontrolle eines offensichtlich stark alkoholisierten Fahrers durch die Polizei. Welche Erkenntnisse der Fahrer aus diesem Fall der Grenzüberschreitung gewonnen hat, blieb an diesem Nachmittag allerdings offen.

Weitere eindrucksvolle Szenen zeigten Grenzüberschreitungen bei der übermäßigen Nutzung von Computerspielen, die kreative Darstellung von gegenseitigen Beschimpfungen von chemisch-technischen und pharmazeutisch-technischen Assistenten oder die Szene „Raus“, wo sich ein Ehepaar entschloss, gemeinsam ins Freie zu gehen und so die Ehekrise zu überwinden.

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Auch die Gruppe „Wald“ zeigte, dass Grenzen überwunden werden können, wenn man ohne Hilfe von außen bei einer Wanderung durch den Wald gezwungen ist, sich zu orientieren und zum Selbstversorger zu werden.

Der Bericht über einen Besuch im Kloster Lorch zeigte, wie Grenzen im Lauf der Geschichte entstehen und wieder verschwinden. Schließlich reicht die Geschichte der Stadt von der Zeit der Römer über die Zeit der Staufer bis in die Gegenwart.

Das Ausbrechen aus Gewohnheiten zeigte eine Tanzgruppe, die mit Hilfe einer Tanzlehrerin eine Choreografie zum Thema erarbeitet hatte und diese auf beeindruckende Weise präsentierte.

größer Der Bericht über einen Besuch in der Sonnenbergklinik, einer Klinik für Psychiatrie und Neurologie in Stuttgart zeigte in einem Interview mit einer Ärztin, wie Traumata, die häufig, durch Gewalterfahrungen in der Kindheit entstanden sind, verarbeitet und möglicherweise überwunden werden können. Das Interview machte aber auch deutlich, wie schwierig diese Aufgabe zu lösen ist, damit man das Ziel des Selbstmanagements bei den Kranken erreichen kann.

Berichte über Besuche bei verschiedenen Institutionen, wie z.B. dem baden-württembergischen Sozialministerium, machten deutlich, welcher Aufwand nötig ist, um Menschen zu helfen, die an ihre Grenzen gestoßen sind.

Diese bedrückenden Szenen wurden immer wieder aufgelockert durch lustige Beispiele, wie dem Familienkrach um die Erklärung der Kinderfrage nach der Herkunft der Löcher im Käse.

Die Besuche bei verschiedenen Religionsgemeinschaften bildeten den letzten Teil der Aufführung. Die Schüler waren in der Stuttgarter Synagoge, bei der katholischen Diözese, bei der evangelischen Landeskirche, wo sie sogar ein Interview mit dem Landesbischof July führen konnten, in einer Moschee, dem Hindu-Tempel und dem buddhistischen Zentrum. Neben dar Darstellung zentraler Glaubensgrundsätze der jeweiligen Religionen rückte auch die Frage nach dem Umgang mit der letzten Grenzüberschreitung, dem Sterben, in den Mittelpunkt.

Der Respekt und der begeisterte Beifall des Publikums im Theaterhaus galt nicht nur den Schülerinnen und Schülern, die lange Zeit mit dem Projekt beschäftigt waren und dabei viel Arbeit investiert haben. Auch der Theaterpädagoge Andreas Frey lobte die Arbeit der Gruppe ausdrücklich. Schulleiter Wolfgang Flad dankte allen Beteiligten für ihr großes Engagement. Der Dank der Schulleitung und der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler galt neben den bereits erwähnten Andreas Frey und Norbert Eilts Frau Barbara Mergenthaler für die Einstudierung der Schimpfwörterszene und Frau Michaela Knepper für die Kostüme (Dein Theater, Stuttgart). Besonderen Dank verdient auch Frau Enisa Wittke von der New York City Dance School in Stuttgart für die Choreographie und Einstudierung des Tanzes zum Thema. Ein herzliches Dankeschön ging auch an die zahlreichen Gesprächs- und Interviewpartner in den besuchten Institutionen und Religionsgemeinschaften. Blumen gab es für alle anwesenden Beteiligten.

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Für Interessenten wird es in Kürze im Institut eine Dokumentation der Aufführung auf einem USB-Stick geben. So gibt es eine Gelegenheit zu erneuten Sehen und Verstärken der Eindrücke eines gelungenen und nachdenklich machenden Theaternachmittags.

Siegfried Kümmerle